Tournai, 2000 Jahre Geschichte
Seit der Antike kreuzen sich hier die Römerstraßen, die nach Bavay und Arras führen, und mit der Schelde, dem Abbau des blauen Natursteins und seiner Verarbeitung in Kalköfen entwickelte sich Tournai schnell zu einem geschäftigen kleinen Ort. Unter dem Namen Tornacum ist er bereits auf der Karte von Peutinger eingezeichnet.
 
Mehr am linken menapischen Ufer als am rechten nervischen Ufer entwickelt wird sie befestigt und zur Hauptstadt ausgebaut, um am Ende des Römischen Reiches unter der Herrschaft der Salischen Franken zu stehen. Die Stadt ist jetzt merowingisch.
 
Dank der Entdeckung seines Grabs wissen wir, dass Childéric 482 mit seinen Pferden am rechten Ufer begraben wurde und es folglich vermutlich hier ist, dass sein Sohn Chlodwig auf die Pavese stieg, bevor er zu den Eroberungen dessen aufbrach, was heute Frankreich ist.
 
Im 5. Jahrhundert entwickelt sie sich politisch, denn sie wird Sitz eines Bistums, dessen erster bekannter Bischof Sankt Eleutherius ist. Das Viertel der Kathedrale entfaltet sich nun.
 
Im 9. Jahrhundert wird sie bischöfliche Lehnsherrschaft unter dem König von Frankreich. Dieses Bistum erstreckt sich am linken Scheldeufer über die Weite der alten Civitas Tornacensium bis hin zum Meer, der Yser und der Scarpe. Die Bischöfe bauen ihre Vorherrschaft auf das (germanische) rechte Ufer aus.
 
Ab dem Beginn des 12. Jahrhunderts schließen sich die Bürger zu einem Schwurverband zusammen und errichten die erste Gemeindemauer. Die Charte von 1188 gewährt ihr die Gemeinderechte und eine öffentliche Glocke (wir finden in Tournai den ältesten Belfried Belgiens), und mit der von 1211 macht Philipp II. August, König von Frankreich, eine 'Gemeinderepublik' aus Tournai, die direkt ihm untersteht. Diese sehr prekäre Situation inmitten der zu Flandern gehörenden Territorien führt zu zahlreichen Konflikten. (Im 16. Jahrhundert wird Tournai außerdem die einzige Stadt auf dem Gebiet des heutigen Belgiens, das unter die englische Krone kommt). Im 11. und 14. Jahrhundert breitet sich außerdem die Plage der Pest aus. Der Unternehmergeist der Tournaier führt dazu, dass sie ihre Spuren in England, Italien und selbst in Nowgorod hinterlassen. Im 15. Jahrhundert machen Tapisserien ihr Renommee.
 
Die Autonomie der Gemeinde geht mit Karl V. verloren. Französisch unter Ludwig XIV., anglo-holländisch im Laufe des Spanischen Erbfolgekriegs, wird sie im 18. Jahrhundert in die Österreichischen Niederlande integriert, bis zur Französischen Revolution, bei der sie zum Arrondissement von Jemappes kommt. Außer der Textilindustrie und den Kalköfen macht Porzellan das wirtschaftliche Renommee der Stadt aus, der allerdings die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts misslingt.
 
Das Kommen der Eisenbahn verläuft zunächst entlang den Uferanlagen, um später an die heutige Stelle verlegt zu werden, nachdem die Stadtmauer abgerissen wurde. Die Druckerei, und vor allem Casterman mit seinen Comics, machen die Stadt weiter berühmt.
 
Die beiden Weltkriege richten dauerhafte Schäden an.
 
Bei den Eingemeindungen wird Tournai die ausgedehnteste Gemeinde des Königreiches. Heute setzt sie auf Kultur und wird für den Tourismus immer attraktiver.
 
Fremdenführerverband von Tournai - Chantal Danniau